Fliegende Dinosaurier: Die faszinierenden Herrscher der Urzeithimmel
Kaum ein Wesen aus der Urzeit fasziniert so sehr wie fliegende Dinosaurier. Riesige Schwingen, ein Kopf wie aus einem Science-Fiction-Film und ein Leben zwischen Himmel und Wasser – kein Wunder, dass Pteranodon, Pterodactylus und Co. in Filmen, Museen und Kinderzimmern gleichermaßen für Begeisterung sorgen. Bevor es losgeht, ein Fakt, der die meisten überrascht: Die bekanntesten „fliegenden Dinosaurier“ sind streng wissenschaftlich betrachtet gar keine Dinosaurier. Wer sie wirklich waren, welche Arten es gab und welche echten Dinosaurier tatsächlich in die Luft kamen, erfährst du in diesem Beitrag.
Gehören Flugsaurier eigentlich zu den Dinosauriern?
Kurze Antwort: Nein. Flugsaurier – fachsprachlich Pterosauria genannt – und Dinosaurier gehören zwar beide zur größeren Gruppe der Archosaurier und haben zur gleichen Zeit auf der Erde gelebt, sind aber zwei komplett getrennte Entwicklungslinien. Dinosaurier zeichnen sich unter anderem durch eine aufrechte Beinstellung direkt unter dem Körper aus. Flugsaurier dagegen entwickelten ein völlig eigenes Skelett mit einem extrem verlängerten vierten Finger, der ihre charakteristische Flughaut trug.
Man kann es sich so merken: Flugsaurier waren eher die „Cousins“ der Dinosaurier als deren Mitglieder. Einen wichtigen Baustein zu dieser frühen Entwicklungsgeschichte liefert Scleromochlus, ein nur rund 20 Zentimeter kleiner, flinker Archosaurier aus der Trias Schottlands. Neue CT-Analysen seines Skeletts aus dem Jahr 2022 konnten ihn eindeutig als engen Verwandten der Flugsaurier innerhalb der sogenannten Pterosauromorpha einordnen – auch wenn ihm selbst der für Flugsaurier typische, extrem verlängerte vierte Finger noch fehlte. Auch wenn Flugsaurier keine Dinosaurier waren, hat sich der Begriff ‚fliegende Dinosaurier‘ im Alltag fest etabliert – deshalb stehen Pteranodon & Co. in diesem Beitrag natürlich trotzdem im Mittelpunkt.
Die bekanntesten Flugsaurier im Überblick
Weltweit haben Wissenschaftler mittlerweile mehr als 100 verschiedene Flugsaurier-Gattungen beschrieben. Hier die bekanntesten Arten mit ihren wichtigsten Merkmalen:
Pterodactylus
Der Namensgeber der ganzen Gruppe. Pterodactylus wurde bereits im 18. Jahrhundert in Bayern entdeckt und war damit der erste wissenschaftlich beschriebene Flugsaurier überhaupt. Er lebte im Jura, war eher klein und besaß einen langen, spitzen Schnabel mit feinen Zähnen.
Pteranodon
Vermutlich der berühmteste Flugsaurier – erkennbar an seinem markanten, nach hinten ragenden Kopfkamm. Sein Name bedeutet übersetzt „zahnloser Flügel“, und tatsächlich war er einer der wenigen Flugsaurier, die komplett ohne Zähne auskamen – ungewöhnlich in einer Gruppe, in der die meisten Arten wie Pterodactylus noch feine Zahnreihen besaßen. Pteranodon lebte in der Kreidezeit über den flachen Meeren Nordamerikas und jagte dort nach Fischen.
Quetzalcoatlus
Der Gigant unter den Flugsauriern – mit einer Flügelspannweite von schätzungsweise bis zu 10 bis 11 Metern gilt er als eines der größten flugfähigen Tiere, die je gelebt haben. Benannt nach der aztekischen Gottheit Quetzalcoatl, lebte er gegen Ende der Kreidezeit in Nordamerika.
Anhanguera
Aus Brasilien stammend, fällt Anhanguera durch einen auffälligen, schmalen Knochenkamm auf der Oberkieferspitze auf, der ihm vermutlich zusätzliche Stabilität beim Beutefang im Flug verschaffte. Wie Pteranodon war er ein geschickter Fischjäger über küstennahen Gewässern.
Anurognathus
Ein echter Winzling im Vergleich zu den großen Verwandten: kurzer Schwanz, kompakter Körperbau und vermutlich auf Insektenjagd im Flug spezialisiert – ähnlich wie eine urzeitliche Fledermaus.
Pterodaustro
Eine der ungewöhnlichsten Arten: Pterodaustro besaß hunderte borstenartige, eng stehende Zähne, mit denen er kleine Krebstiere und Plankton aus dem Wasser filterte – eine Ernährungsweise, die stark an heutige Flamingos erinnert.
Anatomie: Wie konnten Flugsaurier überhaupt fliegen?
Das Geheimnis liegt in einer einzigartigen Kombination aus Leichtbau und Flügelkonstruktion. Die Flughaut (Fachbegriff: Patagium) spannte sich vom stark verlängerten vierten Finger bis zum Körper und teils bis zu den Beinen – ähnlich wie bei heutigen Fledermäusen, nur strukturell völlig anders aufgebaut. Damit das Fliegen bei teils enormer Größe überhaupt möglich war, besaßen Flugsaurier hohle, mit Luftsäcken durchzogene Knochen, die das Körpergewicht drastisch reduzierten.

Viele Arten trugen zudem eine fellartige Bedeckung aus sogenannten Pycnofasern – ein Hinweis darauf, dass Flugsaurier wahrscheinlich warmblütig waren. Der markante Kopfkamm, den viele Arten wie Pteranodon oder Anhanguera besaßen, diente vermutlich der Balance im Flug, der Temperaturregulierung oder – ähnlich wie ein Pfauenrad – der Balz.
Ernährung und Lebensweise
Die meisten großen Flugsaurier-Arten waren Fischjäger: Sie lebten an Küsten und über flachen Meeren, wo sie im Tiefflug nach Beute suchten. Kleinere Arten wie Anurognathus ernährten sich eher von Insekten, während Spezialisten wie Pterodaustro sich auf das Filtern von Kleinstlebewesen im Wasser spezialisiert hatten. Fossilfunde deuten zudem darauf hin, dass zumindest einige Arten in Kolonien lebten – ähnlich wie heutige Seevögel, die an Steilküsten brüten.
Konnten echte Dinosaurier auch fliegen?
Ja – nur eben andere als die, an die man beim Stichwort „fliegender Dinosaurier“ zuerst denkt. Innerhalb der Theropoden, jener Dinosauriergruppe, zu der auch der T-Rex gehört, entwickelten sich im Laufe der Evolution Federn. Das berühmteste Beispiel ist Archaeopteryx, der vor rund 150 Millionen Jahren im heutigen Bayern lebte und als eines der bedeutendsten Übergangsfossilien der Wissenschaftsgeschichte gilt – halb Dinosaurier, halb Vogel.
Noch ungewöhnlicher: Microraptor aus China besaß gleich vier Flügel – Federn sowohl an den Armen als auch an den Beinen – und konnte damit vermutlich von Baum zu Baum gleiten. Der kleine Yi qi wiederum hatte, ganz untypisch für gefiederte Dinosaurier, fledermausartige Flughäute statt Federn.
Der spannendste Fakt zum Schluss: Nach heutigem wissenschaftlichem Verständnis sind moderne Vögel direkte Nachfahren der Dinosaurier. Fliegende Dinosaurier gibt es also im biologischen Sinne bis heute – sie sitzen möglicherweise gerade vor deinem Fenster.
Wann lebten Flugsaurier – und wann starben sie aus?
Flugsaurier bevölkerten die Erde über einen enorm langen Zeitraum: von der Trias vor etwa 228 Millionen Jahren bis zum Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren. Damit teilten sie sich den Himmel und die Erde über 160 Millionen Jahre lang mit den Dinosauriern. Das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit, ausgelöst durch den Einschlag eines Asteroiden, beendete das Zeitalter der Nicht-Vogel-Dinosaurier und der Flugsaurier gleichermaßen. Überlebt hat einzig die Vogel-Linie – jene gefiederten Dinosaurier, die bis heute unseren Himmel bevölkern.
Berühmte Fossilienfunde
Ein Großteil unseres Wissens über fliegende Urzeittiere stammt aus wenigen, aber außergewöhnlich gut erhaltenen Fundorten. Die Solnhofener Plattenkalke in Bayern lieferten sowohl den ersten Pterodactylus als auch den berühmten Archaeopteryx – beide dank feinster Sedimentschichten in bemerkenswertem Detail erhalten. In China wiederum entdeckten Forscher in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche gefiederte Dinosaurier wie Microraptor, die unser Bild von der Verbindung zwischen Dinosauriern und Vögeln grundlegend verändert haben.
FAQ: Die häufigsten Fragen zu fliegenden Dinosauriern
Wie heißt der fliegende Dinosaurier?
Es gibt nicht „den einen“ fliegenden Dinosaurier. Die bekannten fliegenden Urzeittiere wie Pteranodon oder Pterodactylus sind streng genommen gar keine Dinosaurier, sondern Flugsaurier – eine eigene, verwandte Gruppe. Wer nach einem echten, eng mit den Dinosauriern verwandten Flugtier fragt, landet bei Archaeopteryx, dem berühmten Bindeglied zwischen Dinosauriern und Vögeln.
Welcher Flugsaurier ist berühmt?
Pteranodon gilt dank seines markanten Kopfkamms als der bekannteste Flugsaurier – er taucht in unzähligen Filmen, Büchern und Museumsausstellungen auf. Ebenfalls sehr bekannt: Quetzalcoatlus als größtes flugfähiges Tier aller Zeiten und Pterodactylus als namensgebende, erste beschriebene Art.
Wie heißen alle Flugsaurier?
Eine vollständige Liste würde über 100 Gattungen umfassen. Zu den bekanntesten zählen:
- Pterodactylus
- Pteranodon
- Quetzalcoatlus
- Anhanguera
- Anurognathus
- Pterodaustro
- Rhamphorhynchus
- Dimorphodon
Welche Dinos können fliegen?
Kein „klassischer“ Dinosaurier wie T-Rex oder Triceratops konnte fliegen. Innerhalb der gefiederten Theropoden entwickelten aber Arten wie Archaeopteryx oder Microraptor die Fähigkeit zum Gleiten und Fliegen. Und da moderne Vögel wissenschaftlich als lebende Dinosaurier gelten, fliegen tatsächlich noch heute Millionen von ihnen durch die Luft.
Hinweis: Die auf dieser Seite verwendeten Illustrationen sind KI-generiert und dienen der Veranschaulichung. Anatomische Details können vom paläontologischen Forschungsstand abweichen.